Projekt Initiative „Kreativer Raum Koblenz“ will Netzwerk für Kunst- und Kulturschaffende aufbauen

Von unserer Redakteurin
Anke Hoffmann

Koblenz. An der Langen Tafel vorm Kurfürstlichen Schloss sollen die Leute miteinander in Kontakt treten. Zu Buga-Zeiten klappte das wunderbar, noch immer ist die lange Tischreihe im Park beliebt für eine kurze Pause, ein kleines Picknick. Heute Abend gerät sie zur Kontaktbörse für Kultur- und Kreativschaffende aus Koblenz und der Region: Sie sind zum Speeddating eingeladen. In ein, zwei Minuten kann jeder Teilnehmer sein Gegenüber kennenlernen, von sich, seinem kreativen Tun und seinen Ideen berichten. Nach Ablauf der Zeit rücken alle einen Stuhl weiter, der nächste Gesprächspartner, die nächste Idee warten.

Interdisziplinär arbeiten
Eingeladen zu diesem temporeichen Treffen hat der „Kreativ Raum Koblenz“, eine junge Initiative, die Designer, Grafiker, Architekten, Künstler, Musiker, Texter, schlicht alle, die Kunst und Kultur gestalten,in der Region zusammenbringen möchte. Martin Bierschenk, Joachim Ollig und Frank Jüngst sind die Köpfe hinter dem „Kreativen Raum Koblenz“. „Wir wollen ein offenes Netzwerk aufbauen, um die Kunst- und Kreativwirtschaft in der Region zu fördern“, beschreiben die drei Männer ihr Anliegen, die selbst in der Branche tätig sind.

Interdisziplinatität ist ihnen dabei wichtig: Initiativen, Gruppen, in denen sich Vertreter eines einzelnen Bereichs wie etwas der Musik oder der Malerei einbringen, gibt es einige in Stadt und Region, der .Kreative Raum Koblenz“ aber will sie zusammenbringen – ebenso wie all die Einzelkämpfer. „Im Netzwerk, in der Masse können wir gemeinsam sichtbar machen, welche Belange für Kreative wichtig sind, sagt Frank Jüngst. Welche Schwerpunkte das sein können, sollen die Mitglieder des „Kreativen Raumes“ definieren, sich in Gruppen finden, um tiefer in das Thema einzusteigen. Hier steht der kreative Raum noch am Anfang, schließlich arbeitet die Initiative gerade einmal seit wenigen Wochen öffentlich. „Das Wichtigste ist momentan für uns, Menschen zu aktivieren, deshalb auch das Speeddating“, erläutert Jüngst. Die Szene scheint auf die Idee apzuspringen: Mehr als 100 Kreative beteiligen sich bereits am Netzwerk, unter anderem der Verein Stadtuni, der studentisches Potenzial stärker in der Stadt verankern möchten.

Bei einem Treffen kristallisierte sich jüngst ein Thema heraus: Kreative brauchen Räume, in denen sie ihre Arbeit präsentieren können, seien es Bilder, Fotos oder Lieder. Aus dieser Forderung ist bereits ein erstes Projekt entstanden: Leerstände sollen für die Kunst zwischegenutzt werden. Ideen sind willkommen zumal ein erster Termin anvisiert ist, um dieses Vorhaben umzusetzen: Während „Koblenz klingt“ soll am verkaufsoffenen Sonntag, 4. November, die Aktion „Art Hopping“ stattfinden. Sie bringt Kunst in leer stehende Geschäfte.

Pläne wie dieser, das ist den drei Initiatoren wichtig, entstehen aus dem Netzwerk. Sie geben nichts vor, verstehen sich nicht als Redensführer für den. Kreativen Raum“, haben keinen Benefit, sie engagieren sich ehrenamtlich. „Wir wollen für die Anlaufstelle sorgen, die Plattform aufbauen, weil wir es wichtig finden, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Gegend ein Forum bekommt“, sagt Martin Bierschenk.

Idee entstand während der Buga
Unterstützt werden die drei über die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung, genauer über deren Kompetenzzentrum Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Tipps und Anregungen zum Aufbau des Netzwerks bekommen sie dort, allerdings keine finanzielle Förderung. Und: Wir agieren völlig autonom für unsere Region“, sagt Jüngst.

Der Funke für ihr Engagement glomm übrigens während der Bundesgartenschau auf: Damals hatten unter anderem die Handwerkskammer und das Designforum Rheinland-Pfalz zu einem Kreativtstammtisch eingeladen – und eben auch der Regionalvertreter der Bundesinitiative. Die Idee für die Initiative reifte, erste Gespräche wurden geführt – und Bierschenk, Jüngst und Ollig in ihrem Vorhaben bestärkt: Koblenz, so sagten die Berater damals, sei eine spannende Region, um Kreative und Kulturschaffende übergreifend zu vernetzen. Es war diesbezüglich gar von einem weißen Fleck die Rede. Den will der Kreative Raum Koblenz jetzt schnellstmöglich ausfüllen.

Weitere lnfors im Internet unter www.kreativer-raumkoblenz.de. Dort sind Anmeldungen fürs Speeddating erbeten. Es beginnt um 18 Uhr.

Ein Wirtschaftsfaktor
Die Kreativbranche ein wichtiger und wachsender Wirtschaftsfaktor ist – im Jahr 2010 setzte sie laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mehr als 137 Milliarde Euro um Ihr Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung (Bruttowertschöpfung) in Deutschland betrug im Jahr 2010 schätzungsweise knapp 64 Milliarden Euro (2,6 Prozent). Damit ist sie vergleichbar mit den großen Industriesektoren Automobil, Maschinenbau und Chemie. 2010 waren etwa 240 000 Menschen freiberuflich oder als Unternehmer in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig.

PDF Datei zu 2012-09-20 Rhein-Zeitung Kreativen eine Plattform geben